Früher ging es nur um Pixelrekorde. Je mehr, desto besser, glaubten viele Kunden. Langsam setzt sich die Erkenntnis durch: Wichtiger als immer neue Megapixel-Bestmarken sind gute und vielseitige Objektive. Und wenn dabei ein Weltrekord aufgestellt wird, dann schauen wir natürlich noch genauer hin. Eine digitale Bridgekamera mit einem 30fachen optischen Zoom (!!) und einem Brennweitenbereich von 24 bis 720 mm… eine so „aufgebohrte Kamera“ lässt Großes erwarten. Und das Beste ist: Die Fujifilm FinePix HS10 erfüllt die Erwartungen sogar. Allerdings nicht alle…

Unglaubliche Brennweite Fujifilm FinePix HS10

Sie haben das gerade durchaus richtig gelesen. Wir wiederholen es aber noch einmal, falls Sie es einfach nicht geglaubt haben: Ein 30facher, optischer Zoom mit einem Brennweitebereich von 24 bis 720 mm… das bedeutet: Alles drin vom wirklich weitwinkligen Weitwinkel bis hin zum dicken Tele mit 30facher Vergrößerung! Das reicht nicht nur für so ziemlich alle Lebenslagen aus, es ist faszinierend. Hatten doch bislang nur Fotografen mit Spiegelreflexkameras die Möglichkeit, ähnlich vielseitig mit einer Kamera zu arbeiten. Dies jedoch nur mit mehreren Objektiven.

Böse Vorahnung beschlichen uns, als wir im Vorfeld die Lichtstärke einer solchen „eierlegenden Wollmilchsau“ diskutierten. Doch wir sind positiv überrascht. Blenden von 2.8 im Weitwinkelbereich und 5,6 im Super-Telebereich von 720 mm sind nicht schlecht. Im Gegenteil. Klar wird allerdings auch: Im oberen Brennweitenbereich sollten Sie zumindest über den Kauf eines Statives nachdenken. Denn eine 720mm-Aufnahme im Mischlicht ist keine Freude, da kann der Bildstabilisator noch so gut sein. Das Objektiv lässt sich übrigens auch manuell am Drehring bedienen. Das macht es leicht, sehr schnell den gewünschten Bildausschnitt zu finden.

Reichhaltige Ausstattung

Nun, mit 10,3 Megapixeln kann die FinePix HS10 keinen Weltrekord aufstellen. Muss sie aber auch nicht. Der BSI-CMOS Sensor sorgt für angenehm rauschfreie Aufnahmen mit einem ISO-Bereich von 100 bis 6400. Qualitativ sind die Bilder gut, die Farben wirken natürlich und kräftig. Dies allerdings erst nach Durchführung eines Firmware-Updates, mit dem Fuji anfängliche Fehler korrigiert hat. Weitere Infos dazu weiter unten im Text.

Schade, dass Fujifilm bei der Ausstattung des Displays gespart hat. Die Auflösung des dreh- und schwenkbaren 3 Zoll-displays ist – mit 230.000 Bildpunkten – nicht mehr zeitgemäß. Auch der elektronische Sucher, der sich – bei Annäherung des Auges – automatisch anschaltet, ist nicht gerade spektakulär. 200.000 Bildpunkte reichen zwar, aber hier wurde gespart, um am Ende einen guten Endpreis für die Kamera bieten zu können.

Der zielfolgende Autofokus kann überzeugen (auch wenn er stellenweise recht laut ist!), natürlich bietet er Gesichtserkennung. Bis zu 10 Bilder pro Sekunde im Serienbildmodus taugen auch für Sportfotografie (daher übrigens auch der Name der FinePix: HS10 steht für „High Speed“, 10 Aufnahmen pro Sekunde).

Interessant sind einige der eher ungewöhnlichen Modi, welche die FinePix HS10 bietet: Da ist zum einen das sogenannte Multi Motion Capture“. Dabei werden drei bis fünf Aufnahmen eines sich bewegenden Objektes zu einem einzigen Bild verrechnet, das den Bewegungsablauf deutlich machen kann. Die Angelegenheit erfordert allerdings Übung, denn der Fotograf muss dabei das richtige „Schwenktempo“ haben, mit dem er das Objekt verfolgt, damit das Bild gelingt.

Der „Motion Removal Modus“ macht genau das Gegenteil: Er „radiert“ Menschen, Tiere, Autos aus! Stellen Sie sich das so vor: Sie fotografieren ein Haus, vor dem Autos vorbeifahren und Passanten spazieren gehen. Ein Vogel landet und hebt wieder ab. Aus der später kombinierten Bildfolge rechnet die Kamera alle Bildteile heraus die sich bewegen und ersetzt sie durch Elemente andere Bildteile der Serie, in denen jene Bildbereiche frei von Mensch, Tier, Auto sind.
Das funktioniert… recht gut! Sie merken, wir zögern kurz. Denn ab und an entstehen skurrile Aufnahmen mit verschleierten Armen oder Beinen, die aus dem Nichts auftauchen. Sieht fast aus wie gewollt, auch wenn es das nicht ist.

Auch Panorama-Aufnahmen lassen sich mit einem Spezialeffekt machen. In der „Motion-Panorama-Funktion“ schwenken Sie die Kamera einfach über den Bereich, den Sie als Panoramabild ablichen wollen. Die schnell erstellte Bildfolge wird zu einem einzigen Gesamtbild verrechnet.

Wie zu erwarten kann die HS10 sowohl RAW-Fotos also auch Jpeg-Aufnahmen machen. Videos werden in Full-HD aufgezeichnet. Normalerweise geschieht das mit 30 Bildern pro Sekunde, aber auch Zeitlupen mit 1000 Bildern pro Sekunde sind machbar.

Kleine Mankos

Schon unmittelbar nach Markteinführung der Fujifilm FinePix HS10 musste der Hersteller mit Firmware-Updates dafür sorgen, dass die Kamera fehlerfrei arbeitet. Nach dem Kauf sollten sie die Digicam also an den PC anschließen und ein Update herunterladen, um auf dem neuesten Stand der Software zu sein. Einen link zum Firmware-Updaten finden sie hier: www.fujifilm.com/support/digital_cameras/software/firmware/s/finepix_hs10/fupd.html

Ärgerlich ist die Platzierung des Funktionsknopfes für die Bildwiedergabe. Den hat Fuji nämlich auf der Rückseite der Kamera, rechts unten angebracht. Ergebnis: Immer wieder berührt der rechte Handballen, der die Kamera stützt , versehentlich diesen Knopf und schaltet die Kamera in den Abspielmodus um. Das hätte nicht passieren dürfen.

Fazit Fujifilm FinePix HS10

Die Fujifilm FinePix HS10 bietet viel für vergleichsweise wenig Geld. Gut 400 Euro kostet die Kamera, die gerade erst auf den Markt gekommen ist. Dafür gibt es ein sehr vielseitiges Objektiv, dass – dank eines elektronischen und eines optischen Bildstabilisators auch im oberen Brennweitebereich gute Fotos macht. Die Bildqualität überzeugt, viele Zusatzfunktionen machen Sinn und sind interessant.

Eine preisgünstige, gut ausgestattete Allrounder-Kamera für alle, die – ohne großen Objektivwechsel – ein Gerät haben wollen, dass für alle Lebenslagen gerüstet ist.

Technische Daten Fujifilm FinePix HS10

  • Hersteller/Modell: Fujifilm FinePix HS10 Digitalkamera
  • Auflösung: 10.3 Mio Megapixel
  • Sensor: BSI-CMOS, Größe: 1/2,3 Zoll
  • Objektiv/Zoom: 30fach optischer Zoom, F2.8 (W) – F5.6 (T)
  • Display: 3 Zoll Diagonale TFT, 230000 Pixel
  • Sucher: elektronisch 0,2 Zoll FLCD, 200.000 Pixel
  • Bildstabilisator: ja, optisch
  • Speicher intern/extern: 45 MB/SD; SDHC
  • Dateiformate: JPG, CCD-RAW
  • Video (Auflösung/Bilder pro Sekunde): 1280 x 720 pixel/30 fps
  • ISO-Empfindlichkeit: 400 – 3200
  • Stromversorgung: 4x AA-Mignon Batterien, Ni-MH Akkus (optional)
  • Sonderfunktionen: Programmautomatik, High-Speed Aufnahme, Motivprogramme, Gesichtserkennung, Panorama, HDMI, Stereo Mikrofon, USB 2.0
  • Abmessungen (B x H x T):130,0 x 90,7 x 126,0 mm
  • Gewicht: ca. 636 g ohne Akku

Foto: Fujifilm

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