Brennweite: Was die Millimeterangabe am Objektiv bedeutet
Die Brennweite bestimmt, wie viel einer Szene aufs Bild kommt und wie groß ein Motiv erscheint. Hier erfahren Sie, wie Sensorgröße, Zoom und Verwacklungsgefahr damit zusammenhängen und was beim Filmen wichtig ist.
Ob 24 mm, 50 mm oder 300 mm: Kaum eine Angabe auf einem Objektiv sagt so viel über dessen Einsatzzweck aus wie die Brennweite. An ihr erkennen Sie, ob ein Objektiv eher für weite Landschaften, Porträts oder entfernte Tiere geeignet ist. Wer den Wert richtig einordnet, kann Kameras und Objektive besser vergleichen und fällt seltener auf große Zoomversprechen herein.
Was die Brennweite technisch bedeutet
Die Brennweite wird in Millimetern angegeben. Vereinfacht beschreibt sie den Abstand zwischen der optischen Hauptebene des Objektivs und dem Brennpunkt, in dem parallel einfallende Lichtstrahlen zusammenlaufen. Dieser Punkt liegt auf dem Sensor, wenn das Objektiv auf unendlich fokussiert ist. Da moderne Objektive aus vielen Linsen bestehen, entspricht der Wert nicht einfach ihrer Baulänge.
Für die Praxis ist vor allem der Zusammenhang mit dem Bildwinkel wichtig:
- Kurze Brennweite: Der Bildwinkel ist groß, die Kamera erfasst viel von der Umgebung, und einzelne Motive erscheinen klein.
- Lange Brennweite: Der Bildwinkel ist klein, der Ausschnitt eng, und entfernte Motive werden groß abgebildet.
Verdoppeln Sie die Brennweite bei gleichem Aufnahmeabstand, wird das Motiv auf dem Sensor doppelt so hoch und doppelt so breit abgebildet.
Welche Brennweite wofür geeignet ist
Die folgenden Bereiche beziehen sich auf das Kleinbildformat, also auf Vollformat. Die Grenzen sind fließend und dienen nur der Orientierung.
| Brennweite (Kleinbild) | Bezeichnung | Typische Motive |
|---|---|---|
| unter ca. 24 mm | Superweitwinkel | Architektur, enge Innenräume, weite Landschaften |
| ca. 24–35 mm | Weitwinkel | Reise, Reportage, Straßenszenen |
| ca. 40–60 mm | Normalbrennweite | Alltag, Familie, Umgebungsporträts |
| ca. 70–135 mm | leichtes Tele | Porträts, Details, Bühnenszenen |
| ab ca. 200 mm | Tele und Supertele | Sport, Wildtiere, Vögel |
Sensorgröße und Crop-Faktor
Die Brennweite eines Objektivs ist physikalisch festgelegt. Der sichtbare Bildausschnitt hängt jedoch auch von der Sensorgröße ab: Ein kleinerer Sensor nutzt nur den mittleren Teil des vom Objektiv erzeugten Bildes. Um Ausschnitte vergleichen zu können, rechnet man die Brennweite mit dem Crop-Faktor auf Kleinbild um.
| Sensorformat | Crop-Faktor | Ein 50-mm-Objektiv zeigt einen Ausschnitt wie |
|---|---|---|
| Vollformat | 1,0 | 50 mm |
| APS-C | ca. 1,5 (Canon: ca. 1,6) | ca. 75 mm (Canon: ca. 80 mm) |
| Micro Four Thirds | 2,0 | 100 mm |
Achten Sie bei Kompakt-, Bridge- und Actionkameras darauf, welche Angabe Sie vor sich haben. Am Objektiv steht oft die tatsächliche Brennweite, im Datenblatt zusätzlich der Kleinbild-Vergleichswert. Für einen Vergleich zwischen Kameras eignet sich nur der umgerechnete Wert.
Bildwirkung und Verwacklungsgefahr
Oft heißt es, die Brennweite verändere die Perspektive. Genau genommen bestimmt jedoch der Abstand zum Motiv die Perspektive. Die Brennweite legt fest, welcher Ausschnitt von diesem Standpunkt aus sichtbar wird. Weil Sie mit einem Weitwinkel meist näher herangehen, wirken Vordergrund und Hintergrund weit voneinander entfernt. Mit einem Tele fotografieren Sie aus größerer Distanz, und Bildebenen scheinen enger zusammenzurücken.
Lange Brennweiten vergrößern außerdem jede kleine Kamerabewegung. Als Faustregel für Aufnahmen aus der Hand gilt: Die Belichtungszeit sollte nicht länger sein als der Kehrwert der Kleinbild-Brennweite. Bei 200 mm wären das also etwa 1/200 Sekunde. Ein Bildstabilisator kann längere Zeiten ermöglichen, gleicht aber nur die Bewegung der Kamera aus, nicht die des Motivs.
Brennweite beim Filmen
Bei Videos fallen die Eigenschaften einer Brennweite oft stärker auf als bei Fotos, weil jede Unruhe und jede Änderung des Ausschnitts sichtbar bleibt. Diese Punkte sollten Sie beachten:
- Ruhe im Bild: Weitwinkelaufnahmen verzeihen Handbewegungen eher. Im Telebereich sind Stativ oder Gimbal meist die bessere Wahl.
- Video-Crop: Manche Kameras nutzen in bestimmten Videomodi nur einen Teil des Sensors. Der Bildausschnitt wird dann enger, was besonders bei Weitwinkelaufnahmen stören kann.
- Zoomen während der Aufnahme: Bei Objektiven mit variabler Lichtstärke kann sich die Blende beim Zoomen ändern, was bei fest eingestellter Belichtung zu einer sichtbaren Helligkeitsänderung führt. Manche Zooms halten zudem den Fokus nicht exakt.
- Fokusatmung: Bei vielen Objektiven verändert sich der Bildausschnitt beim Scharfstellen leicht. Das fällt vor allem bei Schärfeverlagerungen im Video auf.
Festbrennweite oder Zoom?
Ein Zoomobjektiv deckt mehrere Brennweiten ab und ist daher flexibel, etwa auf Reisen. Eine Festbrennweite bietet nur einen Bildwinkel, ist dafür aber oft kompakter und lichtstärker. Überlegen Sie vor dem Kauf, was Sie am häufigsten aufnehmen. Wer vor allem Innenräume und Familienfeiern fotografiert, braucht meist weniger Telebereich als jemand, der Wildtiere beobachtet.
Häufige Fragen
Was bedeutet die Angabe 18–55 mm?
Das Zoomobjektiv deckt Brennweiten von 18 bis 55 Millimetern ab. An einer APS-C-Kamera mit Crop-Faktor 1,5 entspricht das etwa 27 bis 83 mm im Kleinbildformat.
Sagt der Zoomfaktor etwas über die Reichweite aus?
Nur begrenzt. Er beschreibt lediglich das Verhältnis von längster zu kürzester Brennweite. Sowohl 24–120 mm als auch 100–500 mm ergeben einen fünffachen Zoom, die Reichweite unterscheidet sich aber deutlich.
Verändert ein kleinerer Sensor die Brennweite?
Nein. Die Brennweite bleibt gleich, nur der Bildausschnitt wird enger. Der umgerechnete Wert dient ausschließlich dem Vergleich.
Welche Brennweite eignet sich für Porträts?
Beliebt sind etwa 70 bis 135 mm Kleinbild-Brennweite. Sie ermöglichen einen angenehmen Abstand zur Person und eine natürliche Wiedergabe der Gesichtsproportionen.